Armin Assinger – «Das Leben ist ein Abfahrtslauf»

| 24. Oktober 2008 um 14.21 Uhr | KMU-Tag 2008 | 1 Kommentar

Armin Assinger

Armin Assinger dürfte vielen von uns als Moderator der “Millionenshow”, dem österreichischen Pendant von “Wer wird Millionär” und als Moderator von verschiedenen ORF-Sportsendungen bekannt sein. Jedoch war er auch über zehn Jahre lang aktiver Skirennfahrer und stand in der Zeit insgesamt vier mal in einem Weltcup-Rennen als Sieger auf dem “Stockerl”. Klar, dass Armin Assinger deshalb am heutigen KMU-Tag aus der Perspektive eines Skirennfahrers über das Thema “Geschwindigkeit” berichtet – sein Vortrag hat den Titel “Das Leben ist ein Abfahrtslauf” und soll zeigen, was unser Leben und ein Abfahrtslauf gemeinsam haben und was wir in unserem Alltag von den Skirennfahrern lernen können.

“Also Armin, los gehts…Armin, heute gibsts Gas!! – mit viel Elan und deutlich erkennbarer Skirennfahrerseele startet Armin Assinger seine Präsentation, deren Gliederung sich an Streckenabschnitten der Hahnenkamm-Abfahrt orientiert (denn “real men ski downhill”). Und kaum ist Assinger auf der Bühne, sind wir auch schon mitten auf der Streif – ganz oben im Starthäuschen.

Denn los geht es, eigentlich logisch, mit dem Start. Die Startphase ist schliesslich elementar: holt man bereits hier einen Vorsprung heraus, ist es für die Konkurrenz umso schwieriger, später noch aufholen zu können (und vice versa). Da ist natürlich immer auch Druck mit von der Partie und damit muss man umgehen können – sowohl als Skirennfahrer als auch als Moderator. Ein wichtiger Punkt, den es gemäss Assinger in der Startphase zu berücksichtigen gilt, ist die Körpersprache. Dazu hat er natürlich auch gleich eine Anekdote aus seiner Zeit als Skirennfahrer auf Lager. Bei seinem ersten Lauberhorn-Rennen traf Assinger vor dem Starthäuschen auf Peter Müller, der mit seinem Servicemann auf dem Rücken ein kurzes Warm-Up machte. Sinn der Sache: den jungen, 19-jährigen Burschen mal zeigen, “wo Barteli den Most holt” und so gleich durch die Körpersprache erklären, dass man sich nicht einschüchtern lässt. Damit zusammen hängt auch dier dritte Punkt der Startvorbereitungen, das Selbstvertrauen. Als Skirennfahrer muss man sich natürlich dauernd mit dem Thema Angst auseinandersetzen. Man stürzt, Rennfahrerkollegen verunglücken tödlich – man könnte meinen, dass die Angst eigentlich allgegenwärtig sei. Assinger hat die Angst jedoch immer versucht, zur Seite zu drücken, denn wer Angst in den Vordergrund rücken lässt, hat schon verloren. Dennoch, “Auch Sieger haben Angst” (so der Titel seines neuen Buches) – man darf sie einfach nicht die Oberhand gewinnen lassen. Ferner sind in der Startphase eine richtige Einstellung (Training ist eben NICHT nur für diejenigen, die es eh nötig haben) und eine innere Motivation, welche ein Feuer zu entfachen vermag.

In unserer symbolischen Abfahrt passieren wir nun die Mausefalle, den “Sprung ins Ungewisse”. Auch in unserem Alltag haben wir dauernd solche Sprünge und der Tipp von Profi Assinger lautet: nur wer mutige Entscheidungen trifft, gewinnt Zeit.

Nach einer kurzen Fitnesseinlage für die rund 1000 anwesenden KMU-Führungskräfte kommt auch schon der Übergang in den Steilhang. Hier gilt es, die perfekte Linie zu suchen, was natürlich eine gute Technik voraussetzt. Wichtig ist hier, dass man sich immer dessen bewusst ist, dass man nicht einfach nochmals von vorne beginnen kann, wenn man einen Fehler macht. Man muss weiterkämpfen und versuchen, den Fehler auf der verbleibenden Strecke auszumerzen. Die grosse Gefahr im Steilhang: zu selbstsicher sein. So wollte Hermann Maier an der Winterolympiade 1998 in Nagano eine zu enge Linie fahren, riskierte zu viel und stürzte. Die Moral der Geschichte: die kürzeste Linie ist nicht immer die schnellste.

Hausbergkante Armin Assinger

Im Lärchenschuss, dem nächsten Punkt unsereres Abfahrtslaufs, gilt es, auch einmal durchzuatmen und sich zu besinnen. Schliesslich geht es gleich weiter zur Hausbergkante, wo die Gefahr besteht, einen kleinen “Durchhänger” zu erleiden. Ist Assinger einmal “wie Flasche leer“, spaziert er gerne über den Friedhof. Dies nicht etwa, weil er sich gerne Gräber anschaut, sondern weil man auf einem Friedhof wieder einmal daran erinnert wird, worauf es im Leben eigentlich ankommt. Fazit: jede und jeder hat mal einen Durchhänger, so Assinger. Jedoch nützt es nichts, aufzugeben, schliesslich hat man noch den Zielschuss vor sich.

Gegen Ende des Abfahrtslaufs gilt es, seine Reserven zu aktivieren. Schliesslich kann ein durchschnittlicher Mensch im Alltag auf ca. 75% seiner Leistungsfähigkeit zugreifen – im Zielschuss möchte man aber die restlichen 25%, die sonst nur für “Notfälle” vorgesehen sind, ebenfalls aktivieren.

Endlich im Ziel angekommen, geht es zur Siegerehrung. Nun git es sich zu fragen, wozu das ganze eigentlich gut war und wieso man sich für so etwas abquält. Ist es die persönliche Befriedigung? Ist es Geld? Ist es soziale Anerkennung? Jeder muss das für sich selbst herausfinden.

Fazit der Präsentation von Armin Assinger: das Leben und ein Abfahrtslauf haben mehr gemeinsam als man zuerst annehmen würde. Und wenn dies erst noch so witzig und dynamisch präsentiert wird, wie vom charmanten Österreicher, hört man gleich doppelt so gerne zu.

Website von Armin Assinger:
http://www.assinger.at/

 

1 Kommentar

  1. Roger Wild schrieb am

    24. Oktober 2008 um 20.45 Uhr

    Der Vortrag von Armin Assinger hat mir gezeigt, dass Sport (nicht nur Spitzensport) sehr viel zu tun hat mit dem täglichen Leben in der Wirtschaft und auch in der Politik.
    Was ich mitnehme davon ist, dass die Ideallinie nicht immer die kürzeste Linie ist.
    Hat mir sehr gut gefallen, diese Präsentation, und sie war keine Sekunde langweilig!

 

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