Jean-Claude Biver: «Wenn die Zeit den Markt beherrscht»

Damian Amherd | 24. Oktober 2008 um 17.06 Uhr | KMU-Tag 2008 | 4 Kommentare

Jean-Claude Biver

Jean-Claude Biver, 1949 in Luxembourg geboren, hat an der HEC Lausanne studiert. Er hat die Schweizer Uhrenbranche massgeblich geprägt, zuerst mit dem Wiederaufbau der Marke Blancpain, dann als Mitglied der Konzernleitung der Swatch Group. Seit 2004 ist Biver Mitinhaber, CEO und Verwaltungsratspräsident der Hublot SA in Nyon (120 Mitarbeiter), die ihren Umsatz in kurzer Zeit verzehnfachte und seit April 2008 im Besitz der LVMH-Gruppe ist.

Nach der Mittagspause wird durch den energiegeladenen Auftritt von Jean-Claude Biver sichergestellt, dass auch sicherlich niemand einschläft. Der quirlige Unternehmer hat mit seiner lebendigen Art das Publikum schnell auf seiner Seite und unterhält nich nur mit mit Anekdoten, sondern auch mit Lebensweisheiten.

Zuallererst nennt Biver die drei Dinge, die seiner Meinung nach vonnöten sind, um “im Paradies” zu sein:

Leider ist es so, dass man meistens nicht in der glücklichen Situation ist, alle diese Dinge gleichzeitig zu haben, also muss man daran arbeiten. Eine Möglichkeit wäre es, sich an die 10 Gebote zu halten. Laut Biver, der katholisch erzogen wurde, wäre das aber etwas “unpraktisch”. Schliesslich ist es nicht ganz einfach, sich immerzu an zehn Dinge zu erinnern. Also hat Jean-Claude Biver seine eigenen 3 Gebote entwickelt:

Biver führt sein Unternehmen nach diesen drei Prinzipien und scheint damit recht erfolgreich zu sein. Ferner hat er für die Besucher des KMU-Tages einen weiteren Tip: Der Körper kann mehr arbeiten als man denkt – am besten arbeitet man 20h. Denn je weniger man schläft, desto weniger ist man müde (schon oft beobachtet: man schläft am Sonntag bis um 13:00 Uhr und ist dann den Rest des Tages müde).

Dieses Prinzip hat Biver übrigens von Jean-Pascal Delamuraz auf den Weg mitgegeben bekommen. In den 1980er-Jahren benötigte Jean-Claude Biver einen Kredit für die eben von ihm aufgekaufte Uhrenfirma Blancpain und gelangte deshalb an Jean-Pascal Delamuraz, der zu dem Zeitpunkt Präsident der Banque Cantonale Vaudoise war. Biver wurde um 5:00 (also um fünf Uhr morgens) zu Delamuraz geladen, welcher im erklärte, dass es viele Menschen gebe, die genau so gut sind wie Biver. Um besser zu sein als diese Konkurrenz, müsse Biver zwei Dinge tun: pro Tag zwei Stunden länger arbeiten als sie (denn auf 300 Arbeitstage machen diese zwei Stunden total 15 Arbeitswochen aus, denen man der Konkurrenz voraus sein kann) und kreativer sein.

Geld gabs für Biver damals keines doch unternehmerisch ist die Rechnung dennoch aufgegangen – vielleicht nicht zuletzt auch weil er diese Ratschläge beherzigt hat.

Wie Biver im Verlauf seiner weiteren Karriere herausgefunden hat, sind jedoch noch zwei weitere Dinge absolut wichtig. Einerseits muss man, wenn nötig, Hilfe suchen und um Hilfe zu bekomen, muss man zuerst gezeigt haben, dass man eben teilen, respektieren und verzeihen kann. Anderereseits ist Glück absolut elementar und Glück ist, so Biver, kein Zufall, sondern die logische Konsequenz aus Arbeit, Kreativität und Hilfe.

Schön, wenn ein Unternehmer den KMUler auch solche Tipps auf den Weg mitgeben kann und sich nicht hinter Anglizismen und abstrakten Management-Konzepten verstecken muss.

 

4 Kommentare

  1. Hugo Bühlmann schrieb am

    24. Oktober 2008 um 18.33 Uhr

    Erfolg kommt nicht von alleine!
    Als gute Ergänzung zu obigem Text habe ich ein Interview mit JCB aus dem Bieler Tagblatt vom 11. April 2007 der Zeitungsseite «Ich wollte ein Abenteuer erleben» gefunden:

    Was ist das Erfolgsgeheimnis?

    Arbeit. Hilfe. Glück. Vision. (überlegt) Nein, ich muss anders anfangen: Vision. Kreativität. Mut. Arbeit. Hilfe. Glück.

    Was meinen Sie mit Hilfe?

    Man braucht Hilfe. Man braucht Ideen, man braucht Geld, man braucht Leute, die einen unterstützen. Hilfe ist nicht gratis. Hilfe muss man pflegen. Wenn Sie ehrlich sind, arbeiten und keine Arroganz haben, dann bekommen Sie auch Hilfe.
    Es gibt Leute, die bekommen weniger Hilfe, und es gibt Leute, die bekommen mehr. Ich bekomme meistens immer mehr.

    Das mussten Sie sich erst verdienen.

    Eben, genau. Hilfe ist ein Element des Erfolgs. Manche meinen, die Hilfe käme gratis. Nein, die Hilfe muss gepflegt werden.

  2. Bettina Ziegler schrieb am

    24. Oktober 2008 um 18.45 Uhr

    Ein tiefgründiges Referat, welches die Werte sehr gut reflektiert, die in der heutigen Geschäftswelt leider oftmals nicht mehr berücksichtigt werden. Miteinander teilen (ob Erfolg oder Niederlage), einander schätzen und respektieren und einander “lieben”… – diese Grundwerte machen das tägliche Zusammenspiel bedeutend einfacher. Herzlichen Dank für die Denkanstösse!

  3. Christop Hilber schrieb am

    28. Oktober 2008 um 9.58 Uhr

    Das Referat und die Denkanstösse sind wirklich gut – wenig, aber dafür griffig. Schade war, dass für JCB nicht mehr Zeit zur Verfügung stand. Ich habe ihn schon 45′ referieren gehört und dabei ist noch viel mehr Substanz rübergekommen als in dieser Kurzversion.

  4. Karl Heinz Nuber schrieb am

    4. Mai 2009 um 8.04 Uhr

    Warum erzählte Jean-Claude Biver nichts über seine grosse vergangene Lebenskrise, seine Sucht und seine gescheiterte Ehe, das hätte ihn sympatischer und authentischer machen. Als “Perfektionist” der er wohl nicht ist, bleibt er für Normalsterbliche immer unerreichbar!

 

Schreibe einen Kommentar