Miriam Meckel und das «Glück der Unerreichbarkeit»

HSG-Professorin Miriam Meckel (Uni – privat) spricht über «Das Glück der Unerreichbarkeit – Wege aus der Kommunikationsfalle». So heisst auch ihr aktuelles Buch.
Meckel erzählt eine Anekdote, wie sie nach einem mehrere Stunden langen Conference Call eine Buchhändlerin angeschnauzt hat, obwohl die gar nichts dafür konnte. Daraufhin war sie geläutert und hat begonnen, an ihrem Buch zu recherchieren. (Die Frage ist, ob sie nun keine Conference Calls mehr macht.)
On‐ und Offzeiten definieren
- Antwortslots für E-Mails und Telefonate festlegen
- Ordner nach Dringlichkeiten anlegen
- E-Mails mit mehr als drei cc‐Adressaten ignorieren
- Zwischen beruflicher und privater Kommunikation trennen (notfalls durch verschiedene Geräte)
- Kommunikationsmodus „hohe Priorität“ hinterfragen
- E-Mail-freie Tage, Natel-freie Zonen
- Jeder hat das Recht auf eine „kommunikative Identität“
(Mit Verlaub: Die könnten alle auch bei imgriff.com stehen, für sowas braucht es in der Regel keine Wissenschaftler.)
Hier noch zwei Folien aus der Präsentation von Miriam Meckel:
Zum Stichwort (oder Mythos?) Multitasking zwei Studien:
- Am Londoner Kings College wurde ein Experiment mit 1000 Probanden durchgeführt, welche in drei Gruppen eingeteilt wurden. Gruppe 1 musste einfache Aufgaben lösen, Gruppe 2 ebenfalls, erhielt jedoch zwischendurch immer wieder E-Mails und Gruppe 3 musste dieselben Aufgaben lösen, hatte aber vorher gekifft. Am schlechtesten gelöst wurd die Aufgabe von der Gruppe 2, welche nur halb so gut abschnitt wie die Gruppe der Kiffer!
- Wie durch eine Studie der UC Irvine herausgefunden wurde, werden wir durchschnittlich alle 2.5 Minuten von der Arbeit abgelenkt (durch E-Mails, Anrufe…) und denken dann, dass wir einfach rasch das E-Mail lesen und dann weiterarbeiten. In Tat und Wahrheit dauert es aber 25 Minuten, bis wir uns wieder richtig auf die Arbeit konzentrieren können.
Auch was Informationsflut betrifft, existiert eine interessante Studie, welche im Jahr 2002 durchgeführt wurde. Wissenschaftler der UC Berkeley schätzten damals die Menge an Daten, welche jedes Jahr neu auf unseren Festplatten gespeichert wird, auf 5 Exabytes (also 1 Milliarde Gigabytes). Um das besser zu veranschaulichen, wurde das Beispiel der Library of Congress in Washington herangezogen, welche damals 19 Millionen Bücher in ihrem Bestand hatte. 5 Exabytes entsprechen der Datenmenge von 500’000 Libraries of Congress! Rechnet man nun auch noch die Kommunikation via E-Mail und Telefon hinzu, kann man nochmals 10 Exabyte dazurechnen, wodurch sozusagen pro Jahr 1.5 Millionen Libraries of Congress neu auf den Festplatten dieser Welt abgespeichert werden. Überwältigend.
Übrigens: auf dem Foto scheint es, als würde Miriam Meckel verstohlen auf ihrem BlackBerry E-Mails checken…
Nette Fussnote: Meckel musste pünktlich um 12.20 Uhr gehen, und da sie selbst bei ihrem Vortrag etwas überzogen hatte, war sie bei der den Vormittag abschliessenden Diskussion nicht mehr da.
2 Kommentare










18. August 2009 um 23.31 Uhr
die frau links schaut aus wie anne will : )
19. August 2009 um 7.06 Uhr
Fast. Aber Fernsehen stimmt. Ist die Schweizer Moderatorin Mona Vetsch (Wikipedia, Fotos).