«zeit»


Ludwig Hasler: «Wenn die Zeit sich selbst überholt» (Transkript)

Peter Hogenkamp | 27. Oktober 2008 um 1.14 Uhr | KMU-Tag 2008 | 1 Kommentar

Auf vielfachen Wunsch hier der Originaltext des Vortrags von Ludwig Hasler.

«Wenn die Zeit sich selbst überholt»

Philosophen singen gern das hohe Lied der Langsamkeit. Ich nicht. Gebe selber gern Gas. Jedenfalls halte ich wenig von landesüblichen Stillstandsabkommen. Was sagte ein frisch gewählter Ständeratspräsident? „Erwartet nichts Aussergewöhnliches von mir, ich werde bleiben, der ich war.“ Na danke, das muss man sich leisten können. Kann sich aber keiner leisten. Wir müssen vorwärts machen, uns bewegen. Die Welt bewegt sich längst. China bildet jährlich eine Million Ingenieure aus, Indien Hunderttausende Informatiker. Und wir? Basteln an Nichtraucher-Gesetzen. Den Bürger vor sich selber schützen, das ist jetzt das Grösste. Kein Wunder, kommen hier auf einen Informatiker zwei Dutzend Psychotherapeuten. Die Schweiz, ein Therapiezentrum? Plus Wellness? Wir führen uns auf wie Pensionäre der Weltgeschichte, Ängstlich besorgt um den Cholesterinspiegel. Dabei täte uns mehr Blutdruck nur gut. Also mit der Zeit gehen? Sicher. Aber wie? Siehe Finanzkrise. Die Trader an der Wall Street, Gott, die gingen mit der Zeit. Liessen das herkömmliche Bankgeschäft weit hinter sich, handelten mit verschachtelten „Produkten“, die nichts wert waren –ausser der Spekulation, dass andere glaubten, sie seien was wert. Jetzt ist Schluss mit der Party. Das Geschäft mit Geld muss wieder dort beginnen, wo es einst war, ganz nahe am guten alten Pfandbrief, weniger riskant, weniger profitabel, strenger reguliert, langweiliger, provinzieller. Daraus kann man lernen: Wer besinnungslos mit der Zeit rudert, steuert nicht in die Zukunft, sondern kippt zurück in die Vergangenheit, therapiert von Doktor Staat. Wogegen Banken, die altväterisch agierten, heute vorne weg sind.
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